125 Jahre Rheinmetall – die Jahre 1956 bis 1989

Seltsame Knallbonbons

An einem Rosenmontag in den 30er Jahren schoss eine Rheinmetall-Kanone Bonbons durch die Luft. Die Abschussvorrichtung entstand im Auftrag der Düsseldorfer Prinzengarde. Eine ballistisch durchaus anspruchsvolle Aufgabe, da die Kanone knallen sollte, ohne dass die Bonbons nach Pulver schmeckten. Zudem durften die fliegenden Süßigkeiten keinen Karnevalisten verletzen.

Natürlich übertraf die Kanone alle Erwartungen, denn an ihrer Konstruktion hatte Prof. Dr. e. h. Carl Waninger – führender Marine-Konstrukteur der 1920er und 1930er bei Rheinmetall – maßgeblich mitgewirkt. In seinen Memoiren mit dem treffenden Titel „Knallbonbons“ überliefert der spätere Wehrtechnik-Geschäftsführer (Rheinmetall GmbH) diese Geschichte der staunenden Nachwelt. „Die merkwürdigen Kanonaden eines alten Konstrukteurs“, so der Untertitel des Buches, umfassen stolze 249 Seiten, in denen „der Verfasser“ gerne von sich in der dritten Person schreibt, durchaus lobend, wie der geneigte Leser schnell feststellt.

Technisch Interessierte finden in dem Buch detaillierte Beschreibungen zahlreicher patentierter Konstruktionen des Professors mit dem Rauschebart. Dass ihn seine Mitarbeiter aufgrund seiner Haarpracht auch „Kanonen-Christus“ nannten, hielt Carl Waninger für erwähnenswert – und sicher auch für angemessen.

Der Kartellstreit um die WMF AG - Ein „Nein“ wegen starker Finanzkraft

Eine seltsame Nachricht ging Ende Februar 1981 durch die bundesdeutsche Presse. Das Bundeskartellamt sagte überraschend „Nein“ zum Erwerb der traditionsreichen WMF AG durch den Rheinmetall-Konzern. Warum kaufte Rheinmetall ausgerechnet die WMF? Seit Jahrzehnten bemühte sich der vorrangig in der Wehrtechnik tätige Konzern, sich einen ertragsstarken zivilen Bereich zuzulegen. Aber die meisten dieser Maschinenbau-Beteiligungen waren stark defizitär. Mit dem Erwerb von WMF – der bisherige Großaktionär war weitläufig mit der Röchling-Familie, dem Mehrheitseigner der Rheinmetall-Gruppe, verwandt – sollte sich das Blatt wenden. Bis das „Nein“ aus Berlin kam.

Im Verlauf der nächsten Wochen, Monate und Jahre bemühten sich die Rheinmetall-Anwälte intensiv darum, den Kartellwächtern begreiflich zu machen, dass Rheinmetall und WMF sich keineswegs auf gemeinsamen Märkten tummelten – normalerweise war dies der Grund bei einer Untersagungsverfügung. Es klang auch wirklich absurd, was Rheinmetall-Vorstandschef Dr. Hans-Ludwig Hockel vor der Presse kalauernd erklärte: Niemand könnte doch ernsthaft annehmen, dass es zwischen Panzerwaffen einerseits und Tischbesteck oder Kochtöpfen andererseits gemeinsame Kunden gäbe. Aber das BKartA hatte andere Argumente: WMF nahm bereits eine starke Position auf dem Gebrauchsgütermarkt ein, und die Finanzkraft von Röchling würde diese noch verstärken.

Über vier Jahre zog sich der Prozess hin – bis zur Beantragung einer Ministererlaubnis. Im Vorabgespräch „auf dem Flur des Ministeriums“ konnte der Rheinmetall-Vorstand überzeugt werden, darauf zu verzichten. Und als aus heiterem Himmel ein finanzstarker Investor auftauchte, trennte sich Rheinmetall 1985 von der WMF. Und investierte in Pierburg – aber das ist eine andere Geschichte…

Das 100jährige, das aus dem Fenster stieg...

100 Jahre Rheinmetall – dazu sollte ein Jubiläumsbuch geschrieben werden. Und zwar eines, das sieben Bände umfassen sollte: Einen Band Firmengeschichte, sechs Bände Geschichte der Waffentechnik. Aber der Rheinmetall- Vorstand blies das Vorhaben 1985 ab: Zu teuer!

1987 – der zweite Versuch. Diesmal sollte es nur ein Band werden, geschrieben von einem Militärhistoriker. Dieser machte sich an die Arbeit, einschlägige Akten und Literatur zu sichten. Bevor er den ersten Zwischenbericht ablieferte, schickte er schon einmal die erste Rechnung. Dann war Ruhe, bis Rheinmetall im Februar 1989, dem Jubiläumsjahr, Geburtstagsgrüße an den Autor mit dem Wunsch verband, Ergebnisse abzuliefern. Diese kamen in Form von 111 Seiten – die Rheinmetall- Geschichte war immerhin bis ins Dritte Reich fortgeschritten.

Mehr traf niemals ein. Was blieb Vorstandschef Dr. Brauner anderes übrig, als der Jubiläums-Festgemeinde überzeugt zu verkünden, man habe mit voller Absicht auf eine Jubiläumsschrift verzichtet? Dem verschwundenen Jubiläumsbuch konnte man dagegen nur noch hinterherwinken...

Der schnelle Brüter aus Geislingen

Dass man mit Rheinmetall-Produkten nicht nur schnell feuern, sondern auch schnell kochen konnte, war dem „WMF Super 3“ zu verdanken. Der revolutionäre Schnellkochtopf wurde von der Württembergischen Metallwarenfabrik entwickelt, besser bekannt als WMF. Das renommierte Unternehmen gehörte von 1980 bis 1985 zur damaligen Rheinmetall Berlin AG.

Den Forschern am WMF-Stammsitz in Geislingen an der Steige war es gelungen, eine dritte Kochstufe zu installieren. Ähnlich dem Kernreaktor vom Typ Schneller Brüter war dieser Turbo-Topf gezielt darauf ausgelegt, neuen, in diesem Falle körperlich verwertbaren, Brennstoff zu produzieren.

Die Neuigkeit von der weiteren Verkürzung der Zubereitungszeit verbreitete WMF im Rahmen der größten Werbekampagne, die je für einen Schnellkochtopf geschaltet wurde. Die potenziellen Käuferinnen brüteten nicht lange, sondern machten den schnellen Brüter aus Geislingen zum Renner der Saison. Heute ist der „Super 3“ ein Kultobjekt, für das zum Beispiel bei Ebay dringend Ersatzteile gesucht werden . . .

Rheinmetall im Weltraum

Warum im März 2004 vom Weltraum- bahnhof Kourou aus mit einer Ariane-5-Trägerrakete erstmals Rheinmetall-Produkte in das Weltall geschossen wurden, wird auf Seite 15 dieser „Profil“- Jubiläumsausgabe berichtet. Aber auch schon zuvor waren Unternehmen der Rheinmetall-Gruppe aktiv an der Welt- raumforschung beteiligt gewesen – zum Beispiel die Düsseldorfer Avia- test GmbH. Diese sollte seit 1963 aufgrund der Initiative des Physikers und NRW-Staatssekretärs Prof. Leo Brandt, der im Rheinmetall-Aufsichtsrat saß, an europäischen Weltraumprojekten mitarbeiten. Doch die in Trauen in Niedersachsen entwickelte Eldo-A-Rakete, für die die Aviatest Prüfstände baute, fand nie den Weg zu den Sternen.

Dass man sie beobachten und studieren konnte, ermöglichte bereits 1956 die Berliner Rheinmetall-Tochter Alkett. Für den in der Nähe des Kurortes Bad Münstereifel am Rande der Eifel errichteten Astropeiler lieferte Alkett die beiden Antriebe für den Teleskopspiegel: den Azimut-Antrieb für die horizontale Drehung und den Elevationsantrieb für die vertikale Kippung des Spiegels. „Beide Getriebe sind heute noch intakt“, sagt Dr. Wolfgang Herrmann; der pensionierte Physiker richtet den Spiegel täglich neu aus. Denn der Astropeiler in Eschweiler ist heute ein Technik-Museum im Besitz der NRW-Stiftung, und man beobachtet hier ausgebrannte, kollabierte Sonnen, so genannte Pulsare, deren Radarimpulse auf der Erde empfangen werden können.

Pattex im Tank

Nichts ist für einen Hersteller von Massenartikeln schöner, als wenn er es tatsächlich schafft, eine Produktfehlerquote von null Prozent zu erreichen. Das gilt notabene auch für die Firma Pierburg, war jedoch zur Zeit der Vergaserherstellung in Neuss nicht immer zu erreichen.

Wenn aber Fahrzeuge nicht ordentlich fuhren, musste das nicht immer am Vergaser liegen. „Wenn die Motoren nicht ansprangen oder rumstotterten, dann hieß es immer gleich: Das ist der Vergaser!“ erinnerte sich der frühere Pierburg- Ingenieur Peter Klotzbach: „Häufig stellte sich nämlich heraus, dass es an irgendetwas anderem lag. Manchmal waren es Fehler, die beim Autohersteller selber lagen. Aber zuerst wurde es immer auf den Vergaser geschoben.“

Hinzu kam: Nicht alle Fehler, die eindeutig auf ein Versagen des Vergasers zurückzuführen waren, hatte die damalige DVG, die Deutsche Vergaser Gesellschaft, auch zu verantworten. „In Bremerhaven wurden immer wieder VW Käfer, die für die USA bestimmt waren, auf Schiffe verladen“, erzählt Peter Klotzbach. „Dafür war es notwendig, die Fahrzeuge mit gerade so viel Sprit zu versorgen, dass man sie auf das Schiff rauf- und in den Staaten wieder runterbringen konnte, mehr nicht.

Und einmal geschah es, dass beim Entladen im amerikanischen Hafen kein einziger Käfer ansprang. Wer war schuld? Natürlich der Vergaser, und damit natürlich wir, Pierburg! Man hat die Vergaser untersucht und festgestellt: Die Schwimmernadelventile waren völlig verklebt. ‚Hängende‘ oder ‚klebende‘ Schwimmernadelventile konnten von Zeit zu Zeit tatsächlich als Produktionsfehler am Vergaser zugeordnet werden. Diesmal war es jedoch anders: Man fand Rückstände von Klebstoffen, hat sich dann natürlich auf die Suche nach der Quelle begeben und festgestellt, dass Pierburg überhaupt keine Schuld traf. Der Tanklaster, der die VW Käfer in Bremerhaven betankt hatte, hatte zuvor Klebstoff geladen – und den hatte man nicht richtig ausgespült. Und so hatte man die Käfer eben nicht nur mit Sprit, sondern auch noch mit ‚Pattex‘ betankt.“

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