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Drohnenabwehr

Das schwarze Schaf am Himmel – Jagdszenen über dem Flugplatz

Nur ein kleiner Punkt auf dem Monitor und in der Luft mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen, und doch ein Objekt, das ein Flugzeug zum Absturz bringen kann: Es ist eine handelsübliche Minidrohne, die da über dem Gelände des Flughafens Manching bei Ingolstadt ihre Kreise zieht. Eine große Zahl von Experten, die sich mit Fragen der Sicherheit in der Luftfahrt befassen, verfolgt das Geschehen mit gespannter Aufmerksamkeit.

Sie wohnen einer Weltpremiere bei, denn erstmals wird im Rahmen eines intensiven Testprogrammes der Deutschen Flugsicherung (DFS) und Rheinmetall eine Lösung präsentiert, mit deren Hilfe Drohnen an zivilen Flughäfen erkannt und gegebenenfalls bekämpft werden können. Und in der Tat: Die Gäste sehen, wie das verdächtige Objekt detektiert, klassifiziert und verifiziert und schließlich von einer Abfangdrohne mit einem Fangnetz buchstäblich vom Himmel gefischt wird – Gefahr eliminiert.

Drohnenalarm verursacht Chaos am Flughafen

Matthias Diem befasst sich als Leiter Strategie bei der Rheinmetall Air Defence mit diesem Thema. „Drohnendetektion ist für uns mit unserem Knowhow aus der militärischen Flugabwehr keine sehr große Herausforderung. Der Schutz von zivilen Flughäfen ist aber die Königsdisziplin – denn hier bewegen wir uns in einem hochkomplexen und sehr sensiblen Umfeld. Wir müssen das Lagebild, das wir von unseren Sensoren bekommen, mit den Daten der Deutschen Flugsicherung DFS abgleichen und feststellen, welches Objekt dort im Luftraum nichts zu suchen hat. Wir suchen also das schwarze Schaf am Himmel.“

Anspruchsvolle Aufgabe

Keine leichte Übung bei rund 11.000 Flugbewegungen, die die DFS an Spitzentagen heute schon zu koordinieren hat. „Gleichzeitig müssen wir die Bekämpfung im Gefahrenfall so vornehmen, dass der Flugbetrieb nicht beeinträchtigt, die Kommunikations- und Navigationstechnik nicht gestört wird und auch keine Kollateralschäden verursacht werden, zum Beispiel durch herunterfallende Drohnen“, so Diem weiter.

Gastgeber der Vorführung war die Wehrtechnische Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr, WTD61, die sich zum Schutz ihrer militärischen Liegenschaften im Ausland ebenfalls mit Drohnenabwehr befasst und den Flughafen Manching für die Erprobung zur Verfügung gestellt hat.

Neue Ära in der Luftfahrt

Für Thilo Vogt, Leiter Drohnenflugverkehr der DFS, erleben wir aktuell den Beginn einer neuen Ära in der Luftfahrt. „Bemannte und unbemannte Flugobjekte werden sich künftig den Luftraum teilen, und wir müssen in der Flugsicherung schleunigst die technischen Voraussetzungen dafür schaffen.“ Jedes Flugzeug und jeder Helikopter, der im deutschen Luftraum heute unterwegs ist, ist der DFS mit seiner Flugroute und seiner Kennung bekannt. Anders die Drohnen: Sie fliegen noch völlig unkoordiniert und haben keine individuelle Kennung. Und auch die Radarsysteme, mit denen die DFS arbeitet, sind blind für solch kleine unbemannte Flugobjekte. „Wir benötigen hier völlig neue Verfahren und Regelungen. Eine Registrierung und elektronische Erkennbarkeit aller Drohnen ist überfällig. Auf EU-Ebene wird gleichzeitig an neuen gesetzlichen Vorgaben gearbeitet“, so Thilo Vogt.

Drohnen lösen Hubschrauber ab

Mit der Deutschen Telekom hat die DFS unterdessen ein System erarbeitet, das eine Drohne künftig mittels SIM-Karte quasi zu einem fliegenden Handy macht. Über Mobilfunk sendet sie ein Signal aus, das sie identifizierbar werden lässt und Aufschlüsse über die Flugroute gibt. Solche kooperativen Drohnen, wie sie der Fachmann nennt, wird es in Zukunft viele im Luftraum geben: Etwa um Gaspipelines und Stromtrassen zu überwachen, die Verkehrslage auf Autobahnen zu beobachten oder umgestürzte Bäume an Bahngleisen oder auch Waldbrände zu lokalisieren. Wo Hubschrauber heute hohe Betriebs- und Personalkosten verursachen sowie Fluglärm und Abgase produzieren, werden künftig vermehrt unscheinbare Drohnen unterwegs sein. Zu befürchten ist, dass immer mehr Drohnen dort auftauchen werden, wo unbemannte Fluggeräte verboten sind.

Verschmelzung der Luftlagebilder

Bei der Live-Demonstration in Manching bewies Rheinmetall, dass sein Skymaster-System solche Objekte am Himmel zuverlässig erkennen und in das Phoenix-System der DFS einspeisen kann. Matthias Diem: „Das ist der große Durchbruch hier, dass wir mit ‚Skymaster‘ erstmals ein übergreifendes und lückenloses Lagebild schaffen. Sensorfusion ist dabei das Zauberwort, denn wir arbeiten mit einem anspruchsvollen Mix aus Hochleistungssensoren von Rheinmetall: Vom Multi-Mission Nahbereichsradar über die Multisensorplattform MSP600 bis hin zum FIRST-Infrarotsensor.“

Mit den hochsensiblen militärischen Sensoren von Rheinmetall, die wie ein superscharfes Fernrohr auf das Objekt gerichtet werden, können zunächst weitere Informationen gewonnen werden – zum Beispiel, ob die Drohne eine bedrohliche Fracht, etwa Sprengstoff, mit sich trägt.

Störsender zwingt Drohne zur Landung

Handelt es sich um eine „nicht kooperative Drohne“, die abgefangen werden muss, dann gibt es ein Reihe von Möglichkeiten, den Eindringling vom Himmel zu holen: unter anderem Laserwaffen, Schrotladungen oder eben Jagddrohnen mit Fangnetzen. Ein weiteres Wirkmittel wurde in Manching erfolgreich demonstriert: Ein von Rheinmetall entwickelter Störsender („Jammer“) zwang eine der Drohnen wie gewünscht zur spontanen Landung.

Das Skymaster C2-System (Command and Control) ermöglicht anschließend auch die Verifikation, ob die Drohne erfolgreich gestoppt wurde und die Gefahr gebannt ist. Das Luftlagebild stellt die aktuelle Situation entsprechend dar und der Fluglotse kann auf einer sicheren Informationsgrundlage entscheiden, ob der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

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