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Hightech aus Bremen schützt Wale

Optimaler Schutz für Wale durch modernes Überwachungs- und Alarmierungssystem

Rheinmetall Defence Electronics und das Alfred-Wegener-Institut haben gemeinsam ein automatisches infrarotbasiertes Überwachungs- und Alarmierungssystem zur Detektion von Walen entwickelt. Das System bietet optimalen Schutz von Walen bei der Erkundung von unterseeischen Rohstoffreserven durch Ergänzung herkömmlicher Methoden der Walbeobachtung.

Viele Meeresbiologen und andere Wissenschaftler zeigen sich zunehmend besorgt über den beträchtlichen Anstieg von starken Unterwassergeräuschen. Diese treten insbesondere im Zusammenhang mit Aktivitäten zur Erkundung von Energiereserven (Gas/Öl) auf. Die gestiegene Geräuschkulisse hat jedoch sowohl kurz- als auch langfristig negative Auswirkungen auf die Meeresfauna, da die meisten Meeressäuger und viele Fischarten für ihre Kommunikation, Futtersuche und Navigation auf Wasser-schall angewiesen sind.

Deshalb haben bereits viele nationale Regierungsbehörden Standard-Auflagen zum Schutz der Meeressäuger entwickelt. So dürfen Systeme wie die Schallkanonen nur verwendet werden, wenn keine Meeressäugetiere mindestens 30 Minuten vor Einsatz des Gerätes in einer definierten Ausschluss Zone (exclusion zone) um das Schiff gesichtet wurden. Sollten sich diese während des Einsatzes der Schallkanonen dem Schiff in dieser Zone nähern, muss eine unverzügliche Abschaltung der Systeme erfolgen.

Alte Methoden schützen Wale nicht

Allerdings stellen die derzeitig getroffenen Maßnahmen noch keinen absoluten Schutz für die Wale und andere Meerestiere dar, da die derzeitige Erkennung lediglich auf visuellen Sichtungen des Walblases durch spezielle Walbeobachter basiert und der gesamte Bereich um das Schiff nicht lücken-los und kontinuierlich abgedeckt werden kann. Es ist auch zu bedenken, dass manche Walarten nur in relativgroßen Zeitabständen zum Luftholen an die Wasseroberfläche kommen. Darum sollten diese möglichst frühzeitig auf größere Entfernung detektiert werden. Zudem kommt auch der nicht unerhebliche wirtschaftliche Aspekt. Der mehrmonatige Einsatz eines durch eine Ölgesellschaft geordertes Forschungsschiffes kostet mehrere hunderttausend Dollar pro Tag. Die Beobachtungsmethode durch Walbeobachter kann nur bei Tageslicht angewendet werden. Dies führt dazu, dass Schallkanonen nachts nicht genutzt werden können und der effiziente Einsatz der Forschungsschiffe stark eingeschränkt ist. Ein weiteres Problem zeigt sich bei Fahrten, die mehrere Monate dauern. Aufgrund der monotonen und ermüdenden Aufgabe werden große Teams von geschulten Wahlbeobachtern erforderlich, damit sich diese regelmäßig ablösen können. Dies verursacht wiederum erhebliche Kosten.

HighTech Lösung bietet optimalen Schutz

Rheinmetall Bremen und das
Alfred-Wegener-Institut haben gemeinsam ein automatisches infrarotbasiertes Überwachungs- und Alarmierungssystem zum Schutz von Walen und anderen Meeressäugern (AIMMMS – Automatic Infrared Marine Mammal Mitigation System) entwickelt, welches sich seit mehreren Jahren für Forschungszwecke auf dem Forschungsschiff Polarstern befindet. Das völlig passiv arbeitende System ist mit einer speziellen Software darauf ausgelegt, negative Auswirkungen von seismischen Offshore-Projekten auf Meeressäugetiere, insbesondere auf Wale, zu reduzieren. AIMMMS ermöglicht eine kontinuierliche 360° Rundumerfassung mit einer weltweit einmalig hohen Abtaststrate sowie eine simultane und automatische Erkennung und Anzeige von verschiedenen Ereignissen. So kann innerhalb eines 360° Video-Panoramabildes der Blas von Walen in Echtzeit abgebildet und ausgewertet werden. Die Aktualisierung des gesamten Panorama-bildes kann bis zu fünfmal pro Sekunde erfolgen. Nur durch diese Funktionalität kann der für den Bruchteil einer Sekunde sichtbare Walblas detektiert und visualisiert werden.

Die ausgewerteten Ergebnisse nach Einsatz des Systems AIMMMS sind überwältigend. Im Gegensatz zur visuellen Überwachung kann eine erheblich größere Anzahl von Walen entdeckt werden. Außerdem ist eine elektronische Überwachung der betroffenen Meeresgebiete Tag und Nacht – 24 Stunden/ 7 Tage die Woche möglich. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt bedeutet es auch eine erhebliche Arbeitserleichterung für die Walbeobachter. Doch der größte Mehrwert dieser hochentwickelten Technologie besteht darin, dass sie einen großen Fortschritt hinsichtlich verlässlicher Schutzmaßnahmen für Meerestiere in Echtzeit liefert.

Autor: Andreas Jung, Rheinmetall Defence Electronics GmbH

Commander s.g. (ret./res.) German Navy
Director Sales International Projects
Business Unit Air Defence & Naval Systems

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