Zukunftswaffe Hochenergielaser bei Rheinmetall schon Realität

Auch ein Boxer kämpft mit „Laserschwert“

Es erscheint so einfach, wenn die Helden aus Science-Fiction-Filmen ihr Laserschwert schwingen, um ihre Feinde mit surrendem Lichtstrahl zu besiegen. Oder bei rasanten Verfolgungsjagden werden gleich ganze Raumschiffe mit ein paar Salven hochverdichteter Lichtenergie pulverisiert. Tatsächlich ist die Laserwaffentechnik extrem anspruchsvoll.

Hoher Energie- und Platzbedarf, schlechter Wirkungsgrad verhinderte die Entwicklung von Laserwaffen bisher. Mit der neuen Generation von diodengepumpten Festkörperlasern sind diese Nachteile überwunden. Geblieben sind die hohen Anforderungen an die Treffgenauigkeit, die die Waffenentwickler vor eine große Herausforderung stellen. Rheinmetall Defence ist es 2013 gelungen, mit seinen Hochenergielaser-Effektoren (HEL) einen weiteren Schritt in Richtung Einsatzfähigkeit der zukunftsweisenden Technologie zu gehen: Rheinmetall hat bei seinen Lasern nicht nur die Laserleistung auf dem dynamischen Ziel in Entfernung über 3.000 m gesteigert, sondern darüber hinaus die Laserwaffe mobil gemacht.

„Wir kombinieren innovative Laserwaffentechnologie mit jahrzehntelangem Know-how im Bau von militärischen Effektoren und einer Technologieführerschaft bei der Luftverteidigung“, erläutern die Mitarbeiter aus der verantwortlichen Hauptabteilung CTI. „Dies kommt besonders bei der Bekämpfung kleiner und hochbeweglicher Ziele zum Tragen.“ Den Beweis lieferte das Systemhaus Mitte Oktober 2013 bei der 4. Hochenergielaser-Live-Demonstration auf dem firmeneigenen Erprobungszentrum Ochsenboden in der Schweiz. Erstmals in Europa kamen hier Laserwaffen mobil zum Einsatz: Ein 5 kW HEL wurde auf einem Radpanzer GTK Boxer installiert, ein M113 Kettenfahrzeug erhielt einen 1 kW HEL und ein geschützter LKW vom Typ Tatra einen HEL mit 20 kW Leistung. Darüber hinaus wurde ein Skyshield-Geschützturm mit einem 30 kW Laser ausgestattet.

Der M113 demonstrierte mit seinem 1 kW-starken Laser (Mobile HEL Effector) Einsatzmöglichkeiten bei der Kampfmittelräumung. Die Besatzung suchte aus dem geschützten Fahrzeug Minen und unkonventionelle Sprengladungen, bestrahlte sie aus sicherer Entfernung mit dem Laser und machte sie so in szenarrelevanter Zeit unschädlich.

Die Besatzung des GTK Boxer Radpanzers neutralisierte mit ihrem 5 kW Laser (Mobile HEL Effector) ein überschweres Maschinengewehr auf der Ladefläche eines fahrenden Pickups – ohne den Schützen zu gefährden. Der Nach- weis der Nichtgefährdung erfolgte mittels angebrachter Sensorik auf dem Dummy, die während des gesamten Vorganges die Laserstreustrahlung dokumentiere. Gemeinsam mit dem Skyguard-Radar des Air Defence HEL Effectors demonstrierte der Effektor darüber hinaus die komplette Wirkkette gegen eine völlig neue Bedrohungsart: kleine Drehflügler-Drohnen (Octocopter). Während das Skyguard-Radar das Detektieren und Identifizieren eines einschwebenden Octocopters übernahm, erfolgte das Verfolgen und Bekämpfen durch den HEL-Boxer.

Mit dem 20 kW Laser (Mobile HEL Effector) auf dem Tatra demonstrierte Rheinmetall, wie Funkantennen, Radare, Munition, die Energieversorgung oder ganze Waffensysteme neutralisiert bzw. mit geringsten Kollateralschäden zerstört werden können. Aus 2.000 Meter Entfernung wurden Optiken, zum Beispiel Waffenzielfernrohre oder ferngesteuerte Kameras, in Sekundenschnelle zerstört.

Wie hoch die Leistungsfähigkeit der HEL im Bereich der Flugabwehr ist, wies Rheinmetall mit seinem Air Defence HEL Effector nach. In rund vier Sekunden zerstörte der 30 kW Laserwaffentechnologiedemonstrator fünf 82-Millimeter-Mörsergranaten in 1.000 Meter Entfernung. Höhepunkt der Demonstration auf dem Ochsenboden bildete der erfolgreiche Abschuss von mehreren UAVs mit Düsenantrieb.

Laserwaffen werden also immer schlagkräftiger und können in Zukunft andere Technologien ergänzen bzw. zusätzliche Optionen im Einsatz schaffen. Eine Laserwaffe wird immer komplementär zur Rohrwaffe betrachtet und genutzt werden. Ein surrendes Farbspektakel wie im Science-Fiction- Film wird es aber auch in Zukunft nicht geben. Sowohl bei Tages- und Nachtlicht sind Laserstrahlen mit dem bloßen Auge nicht sichtbar – und Geräusche machen sie auch nicht.

  • Rheinmetall AG

    Oliver Hoffmann
    Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Rheinmetall Platz 1
    40476 Düsseldorf
    Deutschland
    Telefon: +49 211 473-4748
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