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17.11.2025 | Story

Bildungsreise nach Auschwitz im Zeichen von Erinnerung, Aufarbeitung und Verantwortung

Im Rahmen einer Bildungsreise des BVB besuchten zwei Kolleginnen von Rheinmetall gemeinsam mit Beschäftigten von Borussia Dortmund und Evonik die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Die intensive Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen und der Rolle der deutschen Wirtschaft verdeutlichte, warum Erinnerungsarbeit und gesellschaftliche Verantwortung auch heute unverzichtbar sind.

Auschwitz steht heute beispielhaft für jene Orte, an denen die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs etwa sechs Millionen jüdische Männer, Frauen und Kinder sowie Sinti und Roma, politische Gegner, homosexuelle Menschen und andere verfolgte Gruppen systematisch entrechtet, ausgebeutet und getötet haben.

Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau und die polnische Stadt Oświęcim in unmittelbarer Nähe waren das Ziel der knapp einwöchigen Bildungsreise auf Einladung von Borussia Dortmund. Seitens Rheinmetall nahmen Sabine Becker, Leiterin Corporate Sustainability, sowie Caroline von Buchholz, Projektmanagerin Corporate Social Responsibility daran teil.

 

Engagement gegen Rechtsextremismus

Der BVB engagiert sich seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. In diesem Zusammenhang organisiert der Verein unter anderem Bildungsreisen für Fans, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Gedenkstätte Auschwitz. Gemeinsam mit dem damaligen Hauptsponsor Evonik entwickelte der BVB ein jährliches Bildungsformat für Beschäftigte beider Unternehmen, das inzwischen seit fast zehn Jahren besteht. Im Rahmen der Champion-Partnerschaft erhielten nun erstmals auch Rheinmetall-Mitarbeiter die Möglichkeit, gemeinsam mit Beschäftigten von BVB und Evonik an dieser Bildungsreise teilzunehmen. Neben den Besuchen der Gedenkstätte umfasste das Programm mehrere Workshops und Gespräche, die von interdisziplinären Experten begleitet wurden.

Die Besuche im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz I (Stammlager) sowie im Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) hinterließen bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern tiefe Betroffenheit. Die Größe des Geländes von mehr als 190 Hektar, die räumlichen Distanzen und die erhaltenen baulichen Strukturen verdeutlichen bis heute die Dimension und Systematik der nationalsozialistischen Verbrechen.

 

Organisierte Tötungsindustrie

Ein zentrales Thema der Bildungsreise war die Beteiligung der Industrie an den nationalsozialistischen Verbrechen. Dabei wurde auch der Einsatz des Giftgases Zyklon B thematisiert, dessen Wirkstoff Blausäure ursprünglich zur Schädlingsbekämpfung entwickelt worden war und ab 1941 in Auschwitz-Birkenau und anderen Lagern zur Ermordung von Menschen eingesetzt wurde.

Ein Fachreferent erläuterte, wie der Massenmord organisatorisch und technisch vorbereitet wurde. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich bestürzt über die Rationalität und Planmäßigkeit, mit der die nationalsozialistischen Täter vorgingen. 

„Es ist erschütternd zu sehen, wie technische und organisatorische Kenntnisse bewusst missbraucht wurden, um die systematische Ermordung von Menschen zu ermöglichen. Hinter diesen Prozessen standen Experten, die ihr Wissen in den Dienst eines verbrecherischen Systems stellten.“

Sabine Becker

Aufarbeitung und Erinnerung an die Verstrickung in die NS-Geschichte

Mehrere deutsche Unternehmen waren an der Herstellung und dem Vertrieb von Zyklon B beteiligt, darunter auch Vorgängergesellschaften von Evonik wie unter anderem die Degussa (Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt).

Heute setzt sich das Unternehmen aktiv mit seiner Vergangenheit  auseinander. Dr. Andrea Hohmeyer, Archivarin von Evonik, betont: „Verantwortung heißt für uns, die Erinnerung wachzuhalten. Das Wissen um die Geschichte unserer Vorgängergesellschaften verpflichtet uns, heute klar Stellung gegen rechtsextreme Tendenzen zu beziehen und unsere demokratische Gesellschaft zu stärken.“

Rheinmetall hat seine NS-Geschichte erstmals im Rahmen einer Unternehmenschronik öffentlich gemacht. Früher bekannt als Rheinmetall-Borsig, beteiligte sich das Unternehmen seit Beginn der 1930er Jahre an der Aufrüstung der deutschen Wehrmacht. Durch die Produktion von Waffen und an den verschiedenen Fronten in Ost und West trug die deutsche Rüstungsindustrie zur Verlängerung des Weltkrieges bei. An der Besatzungspolitik in Ländern wie den Niederlanden, Frankreich oder Polen beteiligte sich die Rheinmetall-Borsig durch die Übernahme von Betriebsstätten.

Dazu gehörte auch der massenweise Einsatz von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen. Auch jüdische KZ-Häftlinge aus Deutschland und aus anderen Ländern wurden in den Werken der Rheinmetall-Borsig AG unter unwürdigen Umständen zur Arbeit gezwungen, wobei viele von ihnen ums Leben kamen. 

Über diesen Hintergrund hatten sich die beiden Teilnehmerinnen von Rheinmetall im Vorfeld der Reise noch einmal eingehend informiert. „Für die Vorbereitung waren Gespräche mit unserem Archivar Dr. Christian Leitzbach sowie die Chronik des Unternehmens sehr hilfreich“, erzählt Caroline von Buchholz. Rheinmetall bezieht auf der Unternehmenswebsite Stellung zur Verstrickung von Rheinmetall-Borsig in die NS-Verbrechen. Denkmäler in der Nähe der Unternehmenszentrale in Düsseldorf sowie in Unterlüß erinnern an den massenhaften Einsatz von Zwangsarbeitern, darunter viele KZ-Häftlinge. Darüber hinaus steht das Archiv des Konzerns auf Anfrage für forschende Wissenschaftler zur Verfügung. 

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Häftlingskunst als Zeugnis des Lageralltags

Ein besonderer Programmpunkt der Reise war der Besuch einer nicht öffentlich zugänglichen Sammlung von Kunstwerken, die von Häftlingen heimlich im Lager angefertigt worden waren. Die Zeichnungen, Gemälde und Objekte vermitteln eine seltene Innensicht auf das Leben, Leiden und Überleben im Lageralltag.

Besonders eindrücklich waren Bilder, zu deren Anfertigung der SS-Arzt Josef Mengele eine jüdische Häftlingsfrau zwang. Die Darstellungen kranker Frauen dienten seinen verbrecherischen pseudowissenschaftlichen Experimenten und verdeutlichen den Grad der Entmenschlichung der Opfer.

Nach sechs Tagen intensiver Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Terror, dem Holocaust und der Rolle der deutschen Wirtschaft resümiert Sabine Becker: „Das Engagement von Borussia Dortmund und Evonik ist beeindruckend. Ein Besuch an diesem Ort macht unmissverständlich klar, dass Unternehmen Verantwortung für unsere Gesellschaft tragen – damals wie heute.“

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