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23.11.2022 | Story

30 Jahre Bergepanzer 3 Büffel – Unterstützung für die Panzertruppen

Bergepanzer erhöhen als Kampfunterstützungsfahrzeuge vor allem die Beweglichkeit und die Durchhaltefähigkeit gepanzerter Kampftruppen. Sie sichern beispielsweise Gefechtsfahrzeuge bei der Gewässerdurchquerung, schleppen Schadfahrzeuge vom Gefechtsfeld oder unterstützen mit ihren Ersatzteilen und Werkzeugen bei Instandsetzungsarbeiten. Der auf dem Fahrgestell des Kampfpanzers Leopard 2 basierende Bergepanzer 3 Büffel gehört seit nunmehr drei Jahrzehnten zu den herausragenden Fahrzeugen seiner Art. Am 4. August 1992 übergab die Firma Krupp MaK – seit 2000 Rheinmetall Landsysteme GmbH – die ersten Fahrzeuge an die Bundeswehr und die niederländische Armee. Im Laufe der Jahre kamen zahlreiche Nutzernationen hinzu. Seither bewähren sich mehr als 200 Serienfahrzeuge sowie eine ähnliche Anzahl von Bergesätzen – also Bergeeinrichtungen für Fahrgestelle anderer Kampfpanzertypen im In- und Ausland – in Kampfunterstützungseinsätzen ebenso, wie bei der Katastrophenhilfe.

Die Entwicklung der Prototypen

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PROTOTYP PT1

Ein früher Prototyp des Bergepanzers 3 Büffel. Bei der Einführung des Kampfpanzers Leopard 2 standen der Panzertruppe nur die Bergepanzer 2 bzw. 2A2 auf Basis des Leopard 1 zur Verfügung. Da sowohl die Gesamt- als auch die Teilgewichte von Turm und Triebwerk des Leopard 2 wesentlich höher waren als beim Leopard 1, konnte dies nur eine Übergangslösung sein.

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PROTOTYP PT2

Im Falle des Bergepanzers 3 Büffel wurde die bewährte Grundauslegung des Bergepanzers auf Leopard1 übernommen. Diese Aufnahme zeigt einen späten Prototyp des BPz3 in der zugänglichen Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz, der dort auch als Bergepanzer genutzt wird.

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PROTOTYP PT3

Im Jahr 1991 entstand diese Aufnahme eines Prototyps beim Anheben des Hecks eines Kampfpanzers Leopard 2A4. Das Fahrzeug verfügt noch über keine 76mm-Nebelmittelwurfanlage an der Wannenfront.

Von der Maschinenbau Kiel AG zur Rheinmetall Landsysteme GmbH

Die 1948 neu gegründete Maschinenbau Kiel AG, die ursprünglich auf ein 1866 in Friedrichsort bei Kiel angesiedeltes königlich-preußisches Artilleriedepot zurückging, begann ihre Tätigkeit mit Lokomotiv- und Motorenbau.

Im Jahr 1954 übernahmen die Konzerne Stinnes und Flick gemeinsam die MaK. Im Jahr 1958 trat sie einer Arbeitsgemeinschaft zur Entwicklung des Kampfpanzers Leopard 1 bei. Die in eine GmbH umgewandelte MaK wurde 1964 von Krupp erworben. Der erste gemeinsam mit Porsche und Jung entwickelte Bergepanzer 2 wurde 1966 an die Bundeswehr übergeben, 1970 begann die Endmontage der ersten Schützenpanzer Marder, 1974 die Montage von Kampfpanzern Leopard 1 und die Serienproduktion des Leopard 2 1976. Seit 1980 fertigte die MaK den Transportpanzer Wiesel, 1981 begann die Entwicklung des deutsch-niederländischen Gemeinschaftsprojektes Bergepanzer 3, 1983 des Minenräumpanzers Keiler und 1990 der Panzerhaubitze 2000. Rheinmetall erwarb 1990 den wehrtechnischen Teil der MaK, die eigens ausgegründete MaK System Gesellschaft, und legte sie 2000 mit den Firmen KUKA und Henschel zur Rheinmetall Landsysteme GmbH zusammen. Großprojekte seit 1990 waren u.a. das GTK Boxer und der Schützenpanzer Puma, welcher gemeinsam mit Kraus-Maffei Wegmann entwickelt, produziert und vertrieben wurde.

Systembeschreibung

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Der Bergepanzer 3 Büffel basiert auf dem bekannten Fahrgestell des Leopard 2 und verfügt über eine Windenanlage, einen um 270° schwenkbaren Kranausleger sowie ein Stütz- und Räumschild. Der hydraulisch betriebene Auslegerkran auf der rechten Seite der Wanne, dessen Hubwinde direkt in den Kranausleger integriert ist, hat eine maximale Hakenlast von 30 Tonnen bei einer Kranauslage von 90 Zentimetern von der Vorderkante des Stütz- und Räumschilds. Die Rotzler Treibmatic TR 650/3 Hauptwinde ist im Bedienraum unter dem Zwischenboden angeordnet. Sie hat eine maximale Zugkraft von 35 Tonnen. Im Doppel- und Dreifachzug können dabei Lasten von 70 bis zu 105 Tonnen bewegt werden. In der linken Wannenfront ist die Hilfswinde, bei Auslieferung der ersten Bergepanzer 3 Büffel eine Rotzler Trommelwinde HZ 010 mit einer Zugkraft von 7 bis 8,3kN, untergebracht. Bei aktuellen Bergepanzer 3 kommt diese Winde in einer leistungsgesteigerten Variante zum Einsatz.

Das Stütz- und Räumschild an der Fahrzeugfront erlaubt im Zusammenwirken mit einer Schnellbergeeinrichtung (nur beim Bergepanzer 3 Büffel) die Bergung von Schadfahrzeugen unter Panzerschutz.

Das selbsttragende Wannengehäuse des Bergepanzer 3 Büffel besteht grundsätzlich aus verschweißten Panzerstahlplatten und nimmt die Bergeeinrichtung sowie die Baugruppen des Antriebs, der elektrischen Anlage, der hydraulischen Anlage und des Fahrgestells auf. Die äußere Form ist durch Schrägstellung der Panzerplatten schussabweisend gestaltet. Durch eine querverlaufende Trennwand wird das Wannengehäuse in den Bedienraum und den Triebwerksraum unterteilt. Der Bedienraum bietet Platz für die 3-köpfige Besatzung bestehend aus dem Fahrer, dem Kommandanten und dem Bergesoldaten. Der Triebwerksraum im Heckbereich der Wanne wird durch eine abnehmbare, zweiteilige Triebwerkraumabdeckung von oben her verschlossen. Den hinteren Abschluss des Triebwerkraums bildet die Heckwand, deren oberes Teil als Gräting für den Kühlluftauslass ausgeführt ist.

Seine ausgesprochen gute Mobilität verdankt der Bergepanzer 3 Büffel dem vom Kampfpanzer Leopard 2 übernommenen bewährten drehstabgefederten Stützrollenlaufwerk mit Lamellendämpfern sowie hydraulischen Endanschlagdämpfern und festen Endanschlägen über den Schwingarmen der Laufrollenpaare. Um das Einfedern des Laufwerks bei Kranarbeiten zu verhindern, kann das Laufwerk hydraulisch blockiert werden. Der Antrieb erfolgt durch den Triebwerksblock, bestehend aus Motor und Getriebe, in Verbindung mit den beiden Seitenvorgelegen und den Zahnkränzen auf die beiden Endverbindergleisketten. Wie schon beim Bergepanzer auf Basis des Leopard 1, ist auch das Triebwerk des Bergepanzers 3 Büffel als Gesamttriebwerksblock konzipiert. Somit ist der Ein- und Ausbau selbst unter feldmäßigen Bedingungen innerhalb weniger Minuten möglich, da nur einige Versorgungsleitungen zwischen Fahrzeug und Triebwerksblock vorhanden sind, die durch Schnelltrennkupplungen und Stecker zu lösen bzw. zu verbinden sind. Der flüssigkeitsgekühlte 47,6 Liter MTU MB 873 Ka 501 12-Zylinder Vorkammer-Mehrstoff-Dieselmotor mit zwei Abgasturboladern und Ladeluftkühlung leistet 1.100kW (1.500PS) bei einer Antriebsdrehzahl von 2.600U/min. Zur Kraftübertragung auf die Endverbindergleiskette dient das halb- und vollautomatisch schaltbare hydromechanische Renk HSWL 354 Schalt-, Wende- und Lenkgetriebe mit kombinierter hydrodynamisch-mechanischer Betriebsbremse. Das über Schnellspannvorrichtungen mit dem Motor zusammengeflanschte Getriebe besteht aus Drehmomentwandler mit mechanischer Überbrückungskupplung, Wendegetriebe für Vorwärts-/Rückwärtsfahrt, lastschaltbarem 4-Gang-Automatikgetriebe, hydrostatisch-/hydrodynamischem Lenkgetriebe, Retarderbremse und Reibungsbremse sowie der elektronischen Getriebeansteuerung.
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Das Stütz- und Räumschild dient primär zum Abstützen des Bergepanzers beim Arbeiten mit der Krananlage und der Hauptwindenanlage. Auch wird es als Arbeitsgerät für Erdarbeiten, zum Rangieren sowie als Aufnahme für einen Schraubstock verwendet. Außerdem dienen die Anschlagösen am Räumschild des deutschen Bergepanzer 3 Büffel zur Aufnahme der Schnellbergeeinrichtung. Die Krananlage des Bergepanzer 3 Büffel ist vorne rechts auf der Wanne gelagert. Sie dient zum Heben, Senken und Schwenken von Lasten bis 30 Tonnen. Grundsätzlich besteht die Krananlage aus dem Schwenklager, dem Schwenktriebwerk, der Krankonsole, dem Kranausleger, dem Kranauslegerzylinder, der Hubwinde, der Seilflasche und dem Lasthaken. Die Krananlage wird durch ein Bediengerät gesteuert, das rechts neben dem Fahrersitz verstaut wird. Für den Kranbetrieb kann es auch aus der Halterung genommen und auf der Wanne neben der Fahrerluke abgestellt werden. Die Lastanzeige im Steuerpult rechts neben dem Fahrersitz zeigt die aus der jeweiligen Lage von Fahrzeug und Kranausleger resultierende maximale Last sowie die tatsächliche Hakenlast kontinuierlich an und gibt dem Bediener somit die Möglichkeit, die vorhandenen Lastreserven abzuschätzen.

Eine Lastmomentbegrenzung überwacht permanent das durch die Last aufgebrachte Lastmoment, gewährt die Standsicherheit des BPz3 und verhindert sicherheitskritische Zustände bei Arbeiten mit der Krananlage.

Die Hauptwindenanlage besteht aus der Rotzler Treibmatic TR 650/3 Spillwinde, dem Schwenkrollenbock sowie der Seilaufnahmetrommel (Speichertrommel). Die Hauptwinde ist hierbei im Bedienraum unterhalb des Fahrersitzes hinter dem Schwenkrollenbock eingebaut. Direkt hinter der Hauptwinde im Wannenboden ist die große Seilaufnahmetrommel zu finden. Der drehbar gelagerte Schwenkrollenblock richtet sich entsprechend der jeweiligen Seilzug-Kraftrichtung aus und gewährleistet eine kurze Hauptwindenseilführung aus dem Bug mit geringen Reibungsverlusten. Mit der hydraulisch angetriebenen Hauptwinde wird nach dem Treibscheibenprinzip eine druckabhängige Zugkraft erzeugt. Die Kraftübertragung auf das Hauptwindenseil mit einem Durchmesser von 33mm erfolgt durch eine Vorspannkraft und daraus resultierendem Reibungskraftschluß. Durch dieses Funktionsprinzip wird eine gleichbleibende Zugkraft und Seilgeschwindigkeit über die vorhandene Hauptwindenseillänge erreicht. Das 160m lange Hauptwindenseil wird spannungslos in der Seilaufnahmetrommel gelagert, wobei die nutzbare Seillänge 140m beträgt. Die Steuerung der Hauptwinde erfolgt über den linken Bedienhebel am Bediengerät, das rechts neben dem Fahrersitz untergebracht ist. Im ersten Gang hat die Hauptwinde eine Zugkraft von 343kN bei einer Seilgeschwindigkeit von 16m/min. Im zweiten Gang beträgt die Zugkraft 47kN bei einer Seilgeschwindigkeit von 83m/min.

Die Hilfswinde, eine Rotzler Trommelwinde HZ 010, hat aktuell eine Zugkraft von 13,5 bis 15,5kN, ist im vorderen linken Wannenbereich untergebracht und wird über den Bedienhebel links neben dem Lenkrad des Fahrers gesteuert. Mit ihr wird das Hauptwindenseil oder auch Bergematerial zum Anschlagpunkt zugeführt. Die Seilgeschwindigkeit variiert zwischen 50 und 59m/min. Die durch den angeflanschten Hydraulikmotor angetriebene Hilfswinde besteht aus einer Seilaufnahmetrommel mit einstufigem Planetengetriebe, der Antriebswelle und der über Kettenräder und Ketten angetriebenen Spulvorrichtung. Das 230m lange Seil der Hilfswinde hat einen Durchmesser von 7,2mm.

Das Fahrzeug verfügt auch über eine elektrische Schneidund Schweißeinrichtung, die ohne zusätzlichen Stromerzeuger arbeitet. Die Brandunterdrückungsanlage mit dem Löschmittel DeuGen-N (FE36) schützt im Falle eines Brandes die Besatzung sowie die diversen Baugruppen im Bedienraum und ist so ausgelegt, dass ein automatischer Löschvorgang spätestens 50ms nach Erkennen eines Brandes einsetzt. Die im hinteren linken Wannenbereich angeordnete Vorwärmund Heizanlage dient zum Vorwärmen des Triebwerkblocks bei tiefen Temperaturen und zum Heizen des Kraftfahrerund Bedienraums. Auf der rechten Wannenseite hinter der Krankonsole, oberhalb des zweiten und dritten Laufrollenpaares und von außen zugänglich, ist die kompakte ABC-Schutzbelüftungsanlage angeordnet. Mit deren Hilfe wird die dreiköpfige Besatzung vor den Auswirkungen von Angriffen mit atomaren, biologischen und chemischen Kampfstoffen geschützt. In das Dach des Bedienraums ist eine von Hand bedienbare Waffenanlage vom Typ 2350 eingesetzt. Diese dient zur Aufnahme eines 7,62 x 51mm Maschinengewehrs MG3A1T, welches vom Fahrzeugkommandanten im Innenraum unter Panzerschutz abgefeuert werden kann. Das Nachladen erfolgt von außen durch die geöffnete Kommandantenluke. Mittels der 76mm-Nebelmittelwurfanlage des Bergepanzer3 Büffel können Nebelwurfkörper verschossen werden, wobei das Abfeuern elektrisch erfolgt.

Einsatzspektrum

Nach wie vor bilden die mechanisierten Verbände den wesentlichen Anteil der Panzertruppen des Heeres. Deren Überlebensfähigkeit hängt neben einer bedrohungsgerechten Bewaffnung auch maßgeblich von einer außerordentlich hohen Mobilität ab. Diese kann wiederum durch schwer befahrbare Geländeabschnitte zunichtegemacht werden. Das Steckenbleiben oder Festfahren eines Panzers kann sehr schnell zu einem vorzeitigen Verlust des Fahrzeugs führen und somit die Kampfkraft eines Verbandes entscheidend schwächen oder zu viele Personen zum Bergen des Panzers binden. Darüber hinaus können auch gefechtsbedingte Beschädigungen am Fahrgestell eines Kettenfahrzeugs durch Feindwaffeneinwirkung, Minen oder improvisierte Sprengladungen (engl. Improvised Explosive Device/IED) zu dessen vorzeitigem Verlust führen.

Basierend auf diesen Vorgaben sind die Hauptaufgaben des Bergepanzer 3 Büffel das Bergen von Kettenfahrzeugen ursprünglich bis MLC70 und mittlerweile von MLC80 im schweren Gelände und auch aus Gewässern, das Abschleppen von schweren Kettenfahrzeugen im Gelände und auf Straßen, das Sichern von Kettenfahrzeugen bei Gewässerdurchfahrten, das Unterstützen bei Instandsetzungsarbeiten, der Triebwerkstransport sowie das Be- und Enttanken von Kettenfahrzeugen.

Die Hauptaufgaben des Bergepanzer 3:
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Bergen und Sichern

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Triebwerktransport am Haken

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Triebwerktransport auf dem Heck

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Selbstbergen

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Be- und Enttanken von Kettenfahrzeugen

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Räumen und Erdarbeiten

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Sonstige Kranarbeiten

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Triebwerkziehen

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Turmziehen

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Abschleppen

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Schnellbergen

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Rangieren

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Grobe elektrische Schweiß- und Schneidarbeiten

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